Angehörige machen Geschichte(n) – Von laut zu leise

Geschichte einer großen Beruhigung

Stimmen? Welche? Hören oder machen? Mach ich die selber, die Stimmen?

Oder leihe ich die meiner Umwelt aus? Zum Beispiel mein Hören und das was die Stimmen da macht?

Da lerne ich immer noch dazu, und das ist gut so.

Ich weiß um Ureinwohner, zum Beispiel die Aborigines, die wirklich mit Ihren Vorfahren reden. So erleben die das. Aber das ist noch gar nicht alles, nein, die reden mit Felsen oder Steinen!

Also wenn das nicht verrückt ist? Nein ist es nicht. Denn diese Leute in Australien gehen ihrem Alltag nach und wenn diese eine Frau an zwei Felsen vorbei kommt „fällt ihr ihre Großmutter ein“. So würden wir das sagen. Und dann ignoriert sie das nicht, sondern setzt sich zu den beiden Felsen und „denkt“ an ihre Großeltern. So würden wir das sagen. So kann auch ich das sagen.

Dank den Tabletten kann ich beides sagen. Ja, ich „träume“ „rede“ „leihe“ mir mein Umwelt zurecht. Und ja ich „denke“. Doch das sind zwei verschiedene Sachen. Erleben! Das ist das Wort!

Ich erlebe meine Umwelt und auch meine Innenwelt. Das ist gar nicht so wichtig, ob ich da „Stimmen höre“. Das ist ja nur ein schwaches Wort für Intensität, ganze Gespräche oder gar „Theaterstücke“ „in mir“, doch nicht abgegrenzt von um mich rum. Was wirkt, einwirkt auf mich, gibt die Klänge vor. Wort ist Klang. Ich leihe meinen (Klang)Körper also dem aus, was um mich rum und in mir so ist und sich bewegt. Dann kann ich hören, reden, träumen, was so gehört werden will und das kann viel sein.

Ich bin ein wenig ein Ureinwohner, ein moderner Ureinwohner, weil ich beide Welten verstehen kann, ein wenig und manchmal. Alles kann eine Stimme haben oder bekommen! Oder spricht durch Bilder. Das leihe ich selbst Steinen aus. Wie ein Kind spreche ich meine Umwelt an und aus.


Warum erzähle ich das alles? Das ist einfach. Es klappt damit ein Leben mit Schizophrenie.

Diese Wahnhaften Sachen da. Ich glaube so wie wir ein Bett haben, in das wir unser ganzes Sein am Abend hineinlegen und uns anvertrauen dem Schlaf, so braucht jeder von uns ein „Bild“ eine „Art“ in die er oder sie eingebettet ist. Und dann ist man „safe“. Sicher. Und auch entspannter.

Wie heißt es so schön? „Nur wer eine eigene Melodie hat, kann auf andere pfeifen.“

Ich hab diese zwei Rhythmen: Ursprüngliches kindhaftes Umgehen mit allem um mich rum. Und auch ein wenig: Vernunftbegabtes und logisches Wesen. Das ist beides gut und macht Spaß!


Spaß!! Ha! Negatives 0: Gute Laune 10!! Klarer Sieg durch Punkte. Und das wissen auch die Nöler-Stimmen, das „Nein“-Sagende um mich rum und in mir.

Viel Spaß wünsche ich euch allen! Und seid froh, dass ihr noch Kind sein könnt. Das kann nicht jeder.

Herr Dorfkino

Diese Geschichte wurde uns im Rahmen der bundesweiten Aktion „Angehörige machen Geschichte(n)“ zugesandt.

Kontakt: kontakt@angehoerige-im-mittelpunkt.de

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